Förderschulzentrum Oelsnitz

„Es gibt keine Berührungsängste“

Das Förderschulzentrum Oelsnitz (Erzgebirge) besteht aus zwei Schulteilen: einer Förderschule für geistig Behinderte und einer Schule zur Lernförderung, unter anderem für den Förderschwerpunkt sozial-emotionale Entwicklung. Am Schulteil für geistig Behinderte läuft seit mehreren Jahren erfolgreich ein GTA-Programm. Dieses wird nun auch dem anderen Schulteil zugänglich gemacht  und soll so alle Schüler zusammenführen. Die Schule hat als Netzwerkschwerpunkte „Neues GTA-Konzept entwickeln“ und „Veränderungen in der Rhythmisierung“ gewählt.  

 

Wissenswertes über die Schule: Im Jahr 2000 wurden die Schule zur Lernförderung Oelsnitz und Thalheim und die Förderschule für geistig Behinderte Stollberg zum Förderschulzentrum Oelsnitz zusammengelegt. Momentan unterrichten 31 Lehrer 188 Schüler. Sie werden von 9 zusätzlichen pädagogischen Mitarbeitern unterstützt. Im Erdgeschoss des modernen Oelsnitzer Schulgebäudes lernen 50 geistig behinderte Kinder und Jugendliche. In der ersten und zweiten Etage sind die Klassenräume des Schulteils zur Lernförderung untergebracht. Die Schüler, die hier unterrichtet werden, haben die Förderschwerpunkte Lernen, geistige, körperlich-motorische und sozial-emotionale  Entwicklung. Auch autistische Schüler sind darunter. Leiterin des Förderschulzentrums ist Andrea Guderian.

 

Warum die Schule die Schwerpunkte für die Netzwerkarbeit gewählt hat: „Seit mehreren Jahren laufen die GTAs am Schulteil für geistig Behinderte gut. Da wir ein Haus sind, möchten wir allen Schülern diese Angebote zugänglich machen“, sagt Anja Rottluff, GTA-Koordinatorin. „Wir haben bemerkt, dass viele Schüler des Schulteils zur Lernförderung gern auch an den GTAs teilnehmen würden, es aber teilweise nicht können, weil sie einen langen Schulweg haben und an die Busfahrzeiten gebunden sind“, ergänzt Schulleiterin Andrea Guderian. Deshalb soll ein schulartübergreifendes Ganztagesangebot entstehen, das zeitlich so gestaltet ist, dass es möglichst viele Schüler nutzen können.

 

Was sie seitdem erreicht hat: Der Zeitplan wurde so verändert, dass es dienstags und donnerstags das sogenannte Mittagsband gibt. Das ist eine knappe Stunde, in der die Schule GTAs für die Schüler beider Schulteile anbietet. Im Schuljahr 2013/14 ist es zunächst nur für die Fünft- und Sechstklässler des Schulteils Lernförderung verpflichtend, diese zu besuchen. Die Schüler aus dem Schulteil für geistig Behinderte können daran teilnehmen. „Wir planen, dann jedes Jahr eine weitere Klassenstufe dazuzunehmen“, kommentiert Anja Rottluff. Im „Mittagsband“ wählen die Schüler aus Angeboten wie Sport, Chor, Streitschlichter oder Tanz. Die 14-jährige Svenja Fritzsche aus dem Schulteil für geistig Behinderte besucht die GTA Tanz: „Ich gehe dort seit diesem Schuljahr jeden Dienstag hin. Es macht mir großen Spaß“, berichtet das Mädchen. Beim Tanzen trifft Svenja auch auf Altersgenossinnen des anderen Schulteils. Nico Wolffersdorf und Florian Bieligk sind Lernförderschüler. Auch sie nutzen die Angebote des „Mittagsbands“: Nico geht am Dienstag zu EVA – „Eigenverantwortlich Arbeiten“, Florian zu „Streitschlichter“ und zum Sport. „Zweifelderball mag ich besonders gerne“, sagt der Fünftklässler. Ebenfalls an Dienstagen und Donnerstagen können die beiden auch an GTAs teilnehmen, die nach der regulären Unterrichtszeit liegen – von 13.45 bis 14.30 Uhr. Oder sie besuchen den Hort.

 

Ist die Schule zufrieden mit dem, was sie bisher erreicht hat? „Es läuft bisher genau so, wie wir es geplant haben“, resümieren Andrea Guderian und Anja Rottluff. Die gute Vorbereitung zahlt sich aus: Die Steuergruppe unter Anja Rottluffs Leitung hat ein langfristiges Konzept erarbeitet, den Raumplan erstellt, Kollegen informiert und gewonnen. Die Schüler können aus 13 GTAs wählen, die von Lehrern der Schule, der Schulsozialarbeiterin oder externen Partnern angeboten werden.

 

Worauf die Schule stolz ist: „Unsere Schüler freuen sich über die Angebote und das sieht man. Viele unserer Schülerinnen und Schüler sagen, dass sie sie vermissen würden, wenn es sie nicht mehr gäbe“, berichtet Andrea Guderian. In den GTAs können die Mädchen und Jungen spielerischer lernen und eine andere Rolle innerhalb des sozialen Gefüges einnehmen als in der Klasse. Sie lernen auch räumlich den anderen Schulteil kennen, wenn das Angebot dort stattfindet. Das gemeinsame Arbeiten lehrt sie Respekt vor dem, was die Schüler des jeweils anderen Schulteils tun. „Die Kinder und Jugendlichen aus den oberen Etagen sehen, dass auch geistig Behinderte etwas leisten können“, fügt die Schulleiterin hinzu. „Die Lehrer finden ebenso Zugang zum jeweils anderen Schulteil, indem sie gemischte Gruppen leiten. Bisher hatte da niemand Berührungsängste. Eher waren die Kollegen neugierig“, betont Anja Rottluff.